
Seltene Ausnahme
Lipödem bei Männern: Gibt es das?
Das Lipödem gilt als Frauenkrankheit – und das stimmt fast immer. Was über die seltenen Fälle bei Männern bekannt ist und was sonst hinter kräftigen, schmerzenden Beinen stecken kann.
Lesezeit: ca. 5 Minuten
Medizinisch geprüft vonDr. med. Martin Reifenrath, Facharzt für Plastische & Ästhetische ChirurgieStand:
Das Wichtigste in Kürze
Laut ärztlicher Leitlinie sind bei Männern nur einzelne Fälle beschrieben.
In den beschriebenen Fällen lag oft eine hormonelle Störung vor – aber nicht immer.
Kräftige, schwere Beine haben bei Männern meist andere Gründe, etwa Übergewicht, Venen- oder Lymphprobleme.
Schmerzen und Schwellungen gehören ärztlich untersucht – unabhängig vom Geschlecht.
Wer im Internet nach Lipödem sucht, liest fast nur von Frauen. Trotzdem fragen sich auch Männer, ob ihre kräftigen, schmerzenden Beine ein Lipödem sein könnten – oder Angehörige fragen es für sie. Die Antwort ist eindeutig, aber nicht ganz so absolut, wie sie oft formuliert wird.
01 · Fast nur Frauen
Können Männer ein Lipödem bekommen?
Nur in sehr seltenen Ausnahmefällen. Die ärztliche Leitlinie beschreibt das Lipödem als Erkrankung, die fast ausschließlich bei Frauen vorkommt. Männer sind extrem selten betroffen; in der Fachliteratur finden sich nur einzelne Fallberichte.
Gemeint ist dabei immer dasselbe Krankheitsbild: eine schmerzhafte, symmetrische Vermehrung des Fettgewebes an Beinen oder Armen, die nicht zu den Proportionen des Rumpfs passt; Hände und Füße bleiben schlank. Bei Männern kommt dieses Bild nur fast nie vor.
02 · Die seltenen Fälle
Was über Lipödem bei Männern bekannt ist
Die wenigen beschriebenen Fälle haben oft eines gemeinsam: eine deutliche hormonelle Störung. Laut Leitlinie wird allgemein angenommen, dass eine solche Störung das Lipödem beim Mann auslöst. Es gibt aber auch Fallberichte von Männern ohne Hormonstörung.
Zwei Beispiele aus der Literatur: Ein 62-jähriger Mann mit schmerzhaft geschwollenen Oberschenkeln war zunächst wegen eines Lymphödems mit Lymphdrainage behandelt worden, die Beschwerden nahmen weiter zu. Die Untersuchung ergab ein weit fortgeschrittenes Lipödem; nach drei Liposuktionen besserten sich seine Beschwerden deutlich. In einer brasilianischen Fallserie wurden fünf Männer mit Lipödem beschrieben – vier von ihnen hatten zusätzlich eine Erkrankung des Hormonsystems.
Männer mit Lipödem beschreibt eine brasilianische Fallserie aus den Jahren 2022 bis 2024.
von ihnen hatten zusätzlich eine Erkrankung des Hormonsystems.
Amato et al., Cureus 2025 – eine kleine Fallserie, keine Häufigkeitsangabe
Wie häufig das Lipödem bei Männern tatsächlich ist, weiß niemand. Verlässliche Zahlen dazu gibt es nicht – und selbst für Frauen fehlen laut Leitlinie verlässliche Angaben zur Häufigkeit.
03 · Hormone und Gene
Warum trifft das Lipödem fast nur Frauen?
Die genaue Ursache ist nicht geklärt. Weil das Lipödem fast nur Frauen betrifft und meist in Phasen hormoneller Umstellung beginnt – in der Pubertät, nach einer Schwangerschaft oder in den Wechseljahren –, gelten weibliche Hormone als wichtiger Faktor, besonders das Östrogen. Eine systematische Auswertung von 15 Arbeiten kam 2026 zu dem Schluss, dass beim Lipödem offenbar vor allem eine hormonelle Fehlregulation im Spiel ist, besonders rund um das Östrogen – dazu kommen der Stoffwechsel und wohl auch die Veranlagung.
Auch die Gene spielen mit: Das Lipödem tritt in Familien gehäuft auf. Eine Vererbung über das X-Chromosom, die den Unterschied zwischen Frauen und Männern erklären könnte, ließ sich in einer Familienuntersuchung aber nicht bestätigen. Die Forschenden halten eine Veranlagung für wahrscheinlicher, die nicht an das X-Chromosom gebunden ist, aber fast nur bei Frauen zum Vorschein kommt.

04 · Andere Ursachen
Kräftige, schmerzende Beine beim Mann: Was steckt dahinter?
Bei Männern sind andere Ursachen um ein Vielfaches wahrscheinlicher als ein Lipödem. Häufig sind:
- Übergewicht: Es verteilt sich über den ganzen Körper, bei Männern vor allem auf Bauch und Rumpf. Die Beine werden dabei mit dicker, das Verhältnis zum Rumpf bleibt aber gleich.
- Venenschwäche: Schwere, geschwollene Beine, oft mit Krampfadern, besonders abends und nach langem Stehen. Ein Ultraschall der Venen zeigt, ob sie die Ursache ist.
- Lymphödem: ein Stau von Gewebeflüssigkeit, oft nur an einem Bein und mit geschwollenem Fuß. Typisch: Die Hautfalte über der zweiten Zehe lässt sich nicht abheben – beim reinen Lipödem gelingt das.
- Wassereinlagerungen von innen: Herz, Nieren oder eine Schilddrüsenunterfunktion können die Beine anschwellen lassen. Blutwerte helfen, das zu erkennen.
Sofort abklären lassen: Schwillt ein Bein plötzlich an, schmerzt es, ist es warm oder gerötet, kann eine Thrombose dahinterstecken – lassen Sie das noch am selben Tag untersuchen. Bei Atemnot oder Brustschmerz wählen Sie sofort den Notruf 112.
05 · Abklärung
Wer untersucht, und wie?
Ein Lipödem wird im Gespräch und bei der körperlichen Untersuchung festgestellt; Ultraschall und Blutwerte dienen dazu, andere Ursachen auszuschließen. Erste Anlaufstelle ist die Hausarztpraxis. Für die weitere Abklärung kommen Praxen für Gefäßmedizin (Angiologie) oder Hautheilkunde (Dermatologie) infrage oder Ärztinnen und Ärzte mit der Zusatz-Weiterbildung Venenheilkunde (Phlebologie).
Weil in den beschriebenen Fällen bei Männern oft Hormonstörungen im Spiel waren, kann es sinnvoll sein, auch den Hormonhaushalt untersuchen zu lassen. Welche Untersuchungen nötig sind, entscheidet die Ärztin oder der Arzt. Wie die Diagnose beim Lipödem abläuft, beschreibt die Seite Lipödem diagnostizieren.

06 · Behandlung
Wie wird ein Lipödem bei Männern behandelt?
Eine eigene Leitlinie für Männer gibt es nicht. Behandelt wird wie bei Frauen: medizinische Kompression gegen die Schmerzen, regelmäßige Bewegung, bei Übergewicht eine langfristige Gewichtsabnahme – und wenn das nicht reicht, eine Liposuktion, also eine Fettabsaugung. Liegt eine hormonelle Störung vor, wird sie zusätzlich behandelt. Einen Überblick über die Behandlung ohne Operation gibt der Beitrag Konservative Therapie.
07 · Ehrlich eingeordnet
Was man über Lipödem bei Männern nicht weiß
Das Wissen beruht auf wenigen Einzelfällen. Wie häufig das Lipödem bei Männern ist, welche Rolle Hormone genau spielen und wie gut die Behandlung wirkt, ist nicht untersucht. Manche Fälle wurden zudem erst spät erkannt, weil niemand mit einem Lipödem rechnete – der 62-Jährige aus dem Fallbericht war zunächst als Lymphödem behandelt worden.
Umgekehrt gilt: Wer als Mann kräftige Beine hat, hat mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit kein Lipödem. Die häufigeren Ursachen sollten deshalb zuerst abgeklärt werden.
Beratung
Beratung bei Lipo Doctors
Lipo Doctors behandelt ausschließlich Frauen mit diagnostiziertem Lipödem. Männer mit schmerzenden, kräftigen Beinen sind in ihrer Hausarztpraxis oder in einer angiologischen, dermatologischen oder phlebologischen Praxis richtig. Hat Ihre Partnerin, Tochter oder Schwester Beschwerden, die auf ein Lipödem hindeuten, kann sie sich bei uns beraten lassen – an unseren sechs Standorten oder zunächst per Telefon oder Video.
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FAQ
Häufige Fragen zu Lipödem bei Männern
Können Männer ein Lipödem bekommen?
Nur in sehr seltenen Ausnahmefällen. Laut ärztlicher Leitlinie betrifft das Lipödem fast ausschließlich Frauen; bei Männern sind nur einzelne Fälle beschrieben, meist zusammen mit einer hormonellen Störung. Kräftige, schmerzende Beine haben bei Männern fast immer andere Ursachen.
Warum haben Männer so selten ein Lipödem?
Die genaue Ursache ist nicht geklärt. Weil das Lipödem fast nur Frauen trifft und meist in hormonellen Umbruchphasen beginnt, gelten weibliche Hormone wie das Östrogen als wichtiger Faktor. Dazu kommt eine erbliche Veranlagung. Eine Familienuntersuchung spricht dafür, dass sie nicht über das X-Chromosom vererbt wird, sich aber fast nur bei Frauen zeigt.
Was steckt dahinter, wenn ich als Mann dicke, schmerzende Beine habe?
Meist etwas anderes als ein Lipödem: zum Beispiel Übergewicht, eine Venenschwäche, ein Lymphödem oder Wassereinlagerungen, die vom Herzen, von den Nieren oder von der Schilddrüse kommen. Lassen Sie die Beschwerden ärztlich abklären. Schwillt ein Bein plötzlich an und schmerzt, noch am selben Tag – es kann eine Thrombose sein.
Welche Ärztin oder welcher Arzt ist bei Männern zuständig?
Erste Anlaufstelle ist die Hausarztpraxis. Für die weitere Abklärung kommen Praxen für Gefäßmedizin (Angiologie) oder Hautheilkunde (Dermatologie) infrage oder Ärztinnen und Ärzte mit der Zusatz-Weiterbildung Venenheilkunde (Phlebologie). Weil bei Männern mit Lipödem oft Hormonstörungen im Spiel waren, kann auch eine Untersuchung des Hormonhaushalts sinnvoll sein.
Wird ein Lipödem bei Männern anders behandelt?
Eine eigene Leitlinie für Männer gibt es nicht. Behandelt wird wie bei Frauen: Kompression gegen die Schmerzen, Bewegung, bei Übergewicht Abnehmen und – wenn das nicht reicht – eine Liposuktion. Liegt eine hormonelle Störung vor, wird sie zusätzlich behandelt.
Behandelt Lipo Doctors auch Männer?
Nein. Lipo Doctors behandelt ausschließlich Frauen mit diagnostiziertem Lipödem. Männer mit schmerzenden, kräftigen Beinen sind in der Hausarztpraxis oder in einer angiologischen, dermatologischen oder phlebologischen Praxis richtig.
Medizinischer Hinweis
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine persönliche ärztliche Untersuchung, Diagnose oder Behandlung. Welche Behandlung für Sie geeignet ist, lässt sich nur nach einer individuellen ärztlichen Prüfung entscheiden. In einer lebensbedrohlichen Situation wählen Sie den Notruf 112.
Quellen (5) anzeigen
- Deutsche Gesellschaft für Phlebologie und Lymphologie e. V.: S2k-Leitlinie Lipödem, AWMF-Registernummer 037-012, Version 5.0 vom 22.01.2024. register.awmf.org
- Bertlich M, Jakob M, Bertlich I et al.: Lipedema in a male patient: report of a rare case – management and review of the literature. GMS Interdisciplinary Plastic and Reconstructive Surgery DGPW 2021; 10: Doc11. doi:10.3205/iprs000161
- Amato AC, Amato JS, Benitti D, Santos KD: Lipedema in Men: A Retrospective Case Series of Five Patients From a Brazilian Referral Center. Cureus 2025; 17(7): e87332. doi:10.7759/cureus.87332
- Child AH, Gordon KD, Sharpe P et al.: Lipedema: an inherited condition. American Journal of Medical Genetics Part A 2010; 152A(4): 970–976. doi:10.1002/ajmg.a.33313
- Lüchinger JE, Pavicic E, Giachino CL, Stute P: Impact of hormones on lipedema development: a systematic literature review. Archives of Gynecology and Obstetrics 2026; 313(1): 60. doi:10.1007/s00404-026-08318-1
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