Schwangere Frau sitzt vor dem Sofa und hält ihren Bauch

Schwangerschaft & Stillzeit

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Lipödem und Schwangerschaft: Was Sie wissen sollten

Viele Frauen bemerken ihr Lipödem zum ersten Mal nach einer Schwangerschaft. Andere fragen sich, was eine Schwangerschaft für ihr Lipödem bedeutet. Was bekannt ist und was in dieser Zeit hilft.

Lesezeit: ca. 7 Minuten

Medizinisch geprüft vonDr. med. Maria Simidjiiska, Fachärztin für Plastische & Ästhetische ChirurgieStand:

Das Wichtigste in Kürze

Hormoneals Auslöser

Ein Lipödem beginnt oder verschlechtert sich meist in Phasen hormoneller Umstellung – auch in und nach einer Schwangerschaft.

Wasserist meist harmlos

Die meisten Schwangeren bekommen geschwollene Beine. Das ist kein Zeichen für ein Lipödem – beim Lipödem bleiben die Füße schlank.

Kompressionist möglich

Kompressionsstrümpfe lindern Stauungsbeschwerden in der Schwangerschaft und die Schmerzen beim Lipödem.

OPerst nach der Geburt

Planbare Operationen gehören nicht in die Schwangerschaft. Für die Kasse darf das Gewicht vorher sechs Monate nicht gestiegen sein.

Die Beine sind kräftiger geworden, schmerzen bei Druck und werden trotz Abnehmen nicht schlanker: Viele Frauen merken so zum ersten Mal nach einer Schwangerschaft, dass etwas nicht stimmt. Andere wissen längst von ihrem Lipödem und fragen sich, was eine Schwangerschaft für sie bedeutet. Hier lesen Sie, was darüber bekannt ist – und was nicht.

01 · Auslöser

Kann eine Schwangerschaft ein Lipödem auslösen?

Eine Schwangerschaft kann der Zeitpunkt sein, an dem ein Lipödem erstmals auffällt oder sich verschlechtert. Laut ärztlicher Leitlinie beginnen die Beschwerden fast immer in Phasen hormoneller Veränderung – in der Pubertät, nach Schwangerschaften oder in den Wechseljahren. In diesen Phasen überwiegt das Hormon Östrogen, und häufig kommt eine Gewichtszunahme hinzu.

48 %

der befragten Frauen mit Lipödem gaben an, dass ihre Beschwerden in der Pubertät begannen.

41 %

nannten eine Schwangerschaft als Beginn ihrer Beschwerden.

US-Umfrage unter 707 Frauen mit Lipödem, Aday et al. 2024

Die eigentliche Ursache ist die Schwangerschaft dabei wohl nicht: Das Lipödem ist nach heutigem Wissen vermutlich erblich bedingt. Wie genau die Hormone mitwirken, ist nicht geklärt – belastbare Daten zum Hormonhaushalt von Frauen mit Lipödem fehlen laut Leitlinie bisher.

02 · Verlauf

Wird ein bestehendes Lipödem in der Schwangerschaft schlimmer?

Nicht zwangsläufig. Laut Leitlinie schreitet das Lipödem nicht grundsätzlich fort: Bei stabilem Gewicht bleibt es bei vielen Frauen über Jahre gleich. In einer spanischen Untersuchung, die die Leitlinie anführt, war die Erkrankung bei zwei Dritteln der Frauen stabil; beim übrigen Drittel hing die Verschlechterung mit einer Gewichtszunahme zusammen. Hormonelle Umbrüche können die Beschwerden zusätzlich verstärken.

Für die Schwangerschaft heißt das: Eine Gewichtszunahme gehört dazu – günstig ist, wenn sie im empfohlenen Rahmen bleibt. Wie viel sinnvoll ist, hängt vom Gewicht vor der Schwangerschaft ab. Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit nennt als Richtwerte:

  • 12,5 bis 18 kg bei Untergewicht (BMI unter 18,5)
  • 11,5 bis 16 kg bei Normalgewicht (BMI 18,5 bis 24,9)
  • 7 bis 11,5 kg bei Übergewicht (BMI 25 bis 29,9)
  • 0 bis 9 kg bei Adipositas (BMI ab 30)

Strenge Diäten werden in der Schwangerschaft trotzdem nicht empfohlen, weil Mutter und Kind sonst wichtige Nährstoffe fehlen können. Wichtiger sind eine ausgewogene Ernährung und regelmäßige Bewegung.

03 · Wasser oder Lipödem

Geschwollene Beine: Wasser oder Lipödem?

Dicke Beine und Füße sind in der Schwangerschaft häufig – meist steckt Wasser dahinter. Laut familienplanung.de bekommen 85 % aller Schwangeren Wassereinlagerungen, sogenannte Ödeme. Der Körper scheidet in dieser Zeit weniger Wasser aus, und die Schwangerschaftshormone weiten die Blutgefäße. Die Flüssigkeit sammelt sich vor allem in Füßen und Beinen.

Ob eine Schwellung Wasser ist, zeigt ein einfacher Test: Drücken Sie mit dem Finger auf die Stelle. Bleibt kurz eine Delle, spricht das für ein Ödem. Das Lipödem ist dagegen eine Vermehrung von Fettgewebe; bei einem reinen Lipödem ließ sich in einer MRT-Untersuchung kein Ödem nachweisen. Typisch sind Schmerzen bei Druck, beide Seiten sind gleichmäßig betroffen, und die Füße bleiben schlank. Geschwollene Füße sprechen deshalb eher für Wasser als für ein Lipödem.

Sofort abklären lassen: Treten Schwellungen plötzlich und stark auf, zeigen sie sich am ganzen Körper oder im Gesicht oder nehmen Sie plötzlich deutlich zu, gehen Sie umgehend zu Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Hebamme – dahinter kann eine Schwangerschaftskomplikation wie eine Präeklampsie stecken. Ist ein Bein geschwollen, gespannt, schmerzhaft oder bläulich verfärbt, kann es eine Thrombose sein; lassen Sie das noch am selben Tag untersuchen. Bei Atemnot oder Brustschmerz wählen Sie sofort den Notruf 112.

04 · Was hilft

Was in der Schwangerschaft hilft

  • Bewegung: Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt Schwangeren ohne gesundheitliche Einwände mindestens 150 Minuten mäßig anstrengende Bewegung pro Woche. Das senkt unter anderem das Risiko für Schwangerschaftsdiabetes, Präeklampsie und eine zu starke Gewichtszunahme. Gut geeignet ist zum Beispiel Schwimmen – der Wasserdruck lindert zugleich Schwellungen.
  • Kompression: Die Leitlinie zur Kompressionstherapie nennt Ödeme und Stauungsbeschwerden in der Schwangerschaft ausdrücklich als Einsatzgebiete – ebenso die Schmerzen beim Lipödem. Weil sich der Umfang der Beine verändert, lassen Sie die Strümpfe bei Bedarf neu anmessen.
  • Beine hochlegen: Langes Stehen oder Sitzen möglichst vermeiden, beim Sitzen die Beine nicht übereinanderschlagen und weite Kleidung tragen.
  • Salz nicht weglassen: Dass Schwangere mit Ödemen auf Salz verzichten sollen, ist laut familienplanung.de widerlegt – salzarme Kost kann die Beschwerden sogar verstärken.
Schwangere sitzt mit ausgestreckten Beinen auf dem Boden
Bewegung und Pausen mit hochgelegten Beinen tun in der Schwangerschaft gut.

Entwässerungstabletten helfen gegen das Lipödem nicht, wie der Beitrag Lipödem und Wassereinlagerungen erklärt. Medikamente nehmen Sie in der Schwangerschaft ohnehin nur nach Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Welche Sportarten sich beim Lipödem eignen, lesen Sie im Beitrag Sport bei Lipödem.

05 · OP-Zeitpunkt

Liposuktion: vor oder nach der Schwangerschaft?

In der Schwangerschaft wird keine Liposuktion gemacht. Nach einer Empfehlung der US-amerikanischen Fachgesellschaft für Frauenheilkunde und Geburtshilfe sollen planbare Operationen bis nach der Geburt warten.

Auch direkt nach der Geburt ist es meist zu früh: In den ersten zwei Monaten verlieren die meisten Frauen von selbst etwa 10 bis 12 Kilogramm, und der Körper verändert sich weiter. Soll die Liposuktion über die gesetzliche Krankenkasse laufen, verlangt die Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses unter anderem sechs Monate ärztlich verordnete konservative Therapie ohne ausreichende Besserung, keine Gewichtszunahme in den sechs Monaten vor der Entscheidung zur Operation und einen BMI von höchstens 35. Alle Voraussetzungen stehen im Beitrag Lipödem-OP: Wer trägt die Kosten?

Wer noch Kinder möchte, sollte das in der Beratung ansprechen. Wie sich eine spätere Schwangerschaft auf das Ergebnis einer Liposuktion auswirkt, ist nicht untersucht. Klar ist: Nimmt das Gewicht zu, nimmt auch das Volumen der Beine zu. Und eine Region, die bereits abschließend mit Liposuktion behandelt wurde, darf nach der G-BA-Richtlinie nicht erneut auf Kassenkosten abgesaugt werden.

06 · Nach der Geburt

Nach der Geburt: Stillzeit und Abnehmen

Im Wochenbett stehen die Erholung und das Kind im Vordergrund. Eine Diät sollten Frauen in der Stillzeit nicht machen, empfiehlt familienplanung.de; wichtiger ist eine gesunde, abwechslungsreiche Ernährung. Ob Stillen beim Abnehmen hilft, ist nicht eindeutig – manche Studien zeigen einen Effekt, andere kaum oder keinen.

Viele Frauen behalten nach einer Schwangerschaft einige Kilo mehr. Beim Lipödem lohnt es sich, dranzubleiben: Nach einer Schwangerschaft wirkt Studien zufolge eine Kombination aus Bewegung und Ernährungsumstellung am besten. Auch nach der Geburt empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation mindestens 150 Minuten mäßig anstrengende Bewegung pro Woche. Passen die Kompressionsstrümpfe nicht mehr, lassen Sie sie neu anmessen.

Mutter liest auf dem Sofa, ihr Baby schläft auf ihrem Arm
Im Wochenbett geht Erholung vor – das Abnehmen hat Zeit.

07 · Ehrlich eingeordnet

Was man über Lipödem und Schwangerschaft nicht weiß

Gut untersucht ist das Thema nicht. Die Zahlen zum Beginn der Beschwerden stammen aus Umfragen, in denen sich Frauen zurückerinnern. Studien, die Frauen mit Lipödem gezielt durch eine Schwangerschaft begleiten, fehlen bisher weitgehend. Und weil in der Schwangerschaft Hormone und Gewicht gleichzeitig steigen, lässt sich kaum trennen, was von beidem wirkt.

Umgekehrt gilt: Eine Schwangerschaft verschlechtert ein Lipödem nicht zwangsläufig. Wer sich regelmäßig bewegt, im empfohlenen Rahmen zunimmt und bei Beschwerden Kompression trägt, nutzt die Stellschrauben, die sich beeinflussen lassen.

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Sie planen eine Schwangerschaft, sind schwanger oder haben gerade ein Kind bekommen und fragen sich, wie es mit Ihrem Lipödem weitergeht? Bei Lipo Doctors nehmen sich Fachärztinnen und Fachärzte Zeit für Ihre Fragen – an unseren sechs Standorten oder zunächst per Telefon oder Video. Gemeinsam klären wir, was Ihnen jetzt hilft und wann eine Liposuktion sinnvoll sein kann.

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FAQ

Häufige Fragen zu Lipödem und Schwangerschaft

Kann eine Schwangerschaft ein Lipödem auslösen?

Eine Schwangerschaft kann der Zeitpunkt sein, an dem ein Lipödem erstmals auftritt oder sich verschlechtert. Laut ärztlicher Leitlinie beginnen die Beschwerden fast immer in Phasen hormoneller Veränderung. In einer US-Umfrage unter 707 Frauen mit Lipödem nannten 41 % eine Schwangerschaft als Beginn. Voraussetzung ist nach heutigem Wissen eine Veranlagung.

Darf ich in der Schwangerschaft Kompressionsstrümpfe tragen?

Ja. Die ärztliche Leitlinie zur Kompressionstherapie nennt Ödeme und Stauungsbeschwerden in der Schwangerschaft ausdrücklich als Einsatzgebiete, ebenso die Schmerzen beim Lipödem. Weil sich der Umfang der Beine in dieser Zeit verändert, lassen Sie die Strümpfe bei Bedarf neu anmessen. Welche Versorgung passt, klären Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Wann kann ich nach der Geburt eine Liposuktion machen lassen?

Nicht sofort. Nach der Geburt verändert sich der Körper noch deutlich. Für eine Liposuktion auf Kassenkosten verlangt die G-BA-Richtlinie unter anderem sechs Monate ärztlich verordnete konservative Therapie und keine Gewichtszunahme in den sechs Monaten vor der Entscheidung zur Operation. Den passenden Zeitpunkt – auch mit Blick auf die Stillzeit und eine weitere Schwangerschaft – besprechen Sie mit Ihrer Operateurin oder Ihrem Operateur.

Was bedeutet eine spätere Schwangerschaft für das Ergebnis einer Liposuktion?

Das ist nicht untersucht. Bekannt ist: Nimmt das Gewicht zu, nimmt auch das Volumen der Beine zu. Und eine bereits abschließend behandelte Region darf nach der G-BA-Richtlinie nicht erneut auf Kassenkosten abgesaugt werden. Wenn Sie noch Kinder möchten, sprechen Sie das deshalb vor der Operation an.

Hilft Stillen beim Abnehmen?

Möglicherweise, die Studien dazu sind aber nicht eindeutig. In den ersten zwei Monaten nach der Geburt verlieren die meisten Frauen ohnehin von selbst etwa 10 bis 12 Kilogramm. Eine Diät sollten Sie in der Stillzeit nicht machen; wichtiger sind eine ausgewogene Ernährung und Bewegung.

Beeinflusst die Pille das Lipödem?

Das ist nicht geklärt. Laut Leitlinie gibt es Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen Lipödem und weiblichen Hormonen, belastbare Daten zu einem Zusammenhang mit einer Hormongabe fehlen aber. Fragen zur Verhütung besprechen Sie am besten mit Ihrer Frauenärztin oder Ihrem Frauenarzt.

Sind geschwollene Füße in der Schwangerschaft ein Zeichen für ein Lipödem?

Eher nicht. Beim Lipödem bleiben die Füße in der Regel schlank. Geschwollene Füße und Beine in der Schwangerschaft sind meist harmlose Wassereinlagerungen, die 85 % aller Schwangeren bekommen. Treten die Schwellungen plötzlich und stark auf oder zeigen sie sich auch im Gesicht, gehen Sie umgehend zu Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Hebamme.

Medizinischer Hinweis

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine persönliche ärztliche Untersuchung, Diagnose oder Behandlung. Welche Behandlung für Sie geeignet ist, lässt sich nur nach einer individuellen ärztlichen Prüfung entscheiden. In der Schwangerschaft sind Ihre Frauenärztin, Ihr Frauenarzt und Ihre Hebamme die ersten Ansprechpersonen. In einer lebensbedrohlichen Situation wählen Sie den Notruf 112.

Quellen (10) anzeigen
  1. Deutsche Gesellschaft für Phlebologie und Lymphologie e. V.: S2k-Leitlinie Lipödem, AWMF-Registernummer 037-012, Version 5.0 vom 22.01.2024. register.awmf.org
  2. Aday AW, Donahue PM, Garza M et al.: National survey of patient symptoms and therapies among 707 women with a lipedema phenotype in the United States. Vascular Medicine 2024; 29(1): 36–41. doi:10.1177/1358863X231202769
  3. Deutsche Gesellschaft für Phlebologie und Lymphologie e. V.: S2k-Leitlinie Medizinische Kompressionstherapie der Extremitäten mit Medizinischem Kompressionsstrumpf (MKS), Medizinischem Kompressionsverband (MKV) und Medizinischen adaptiven Kompressionssystemen (MAK), AWMF-Registernummer 037-005, Version 5.1, Stand 27.05.2026. register.awmf.org
  4. Bull FC, Al-Ansari SS, Biddle S et al.: World Health Organization 2020 guidelines on physical activity and sedentary behaviour. British Journal of Sports Medicine 2020; 54(24): 1451–1462. doi:10.1136/bjsports-2020-102955
  5. American College of Obstetricians and Gynecologists: ACOG Committee Opinion No. 775: Nonobstetric Surgery During Pregnancy. Obstetrics & Gynecology 2019; 133(4): e285–e286, bestätigt 2025. doi:10.1097/AOG.0000000000003174
  6. Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit: Beschwerden in der Schwangerschaft: Ödeme (Wassereinlagerungen). familienplanung.de, Stand 11.06.2024. familienplanung.de
  7. Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit: Gewicht und Gewichtszunahme in der Schwangerschaft. familienplanung.de, Stand 25.06.2026. familienplanung.de
  8. Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit: Gewicht abnehmen (nach der Geburt). familienplanung.de, Stand 06.06.2025. familienplanung.de
  9. Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit: Venöse Thrombosen (Wochenbett). familienplanung.de, Stand 13.06.2025. familienplanung.de
  10. Gemeinsamer Bundesausschuss: Qualitätssicherungs-Richtlinie zur Liposuktion bei Lipödem (QS-RL Liposuktion), zuletzt geändert am 22.01.2026. g-ba.de

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